Gespräch mit Cornelius Schelling: „Gesundheit zeigt sich oft lange, bevor wir Hilfe suchen“

Cornelius Schelling im Interview: „Gesundheit zeigt sich oft lange, bevor wir Hilfe suchen“

Viele Menschen betreten eine Apotheke erst dann, wenn Beschwerden bereits deutlich spürbar sind. Dabei beginnt Gesundheit meist viel früher, im Alltag, oft leise und unauffällig. Cornelius Schelling beschäftigt sich seit Jahren mit genau diesen frühen Signalen. Im Interview spricht er darüber, warum Gesundheit nicht erst bei Symptomen beginnt und welche Rolle Aufmerksamkeit und Verständnis dabei spielen.

Herr Schelling, viele Menschen beschäftigen sich erst dann intensiver mit Gesundheit, wenn Beschwerden auftreten. Warum ist das so?

Weil Gesundheit im Alltag oft als selbstverständlich wahrgenommen wird. Solange der Körper funktioniert, steht er nicht im Fokus. Müdigkeit, innere Unruhe oder schlechter Schlaf werden lange akzeptiert. Erst wenn Beschwerden spürbar werden und den Alltag beeinflussen, entsteht das Gefühl, handeln zu müssen.

Warum werden frühe Warnsignale des Körpers so häufig übersehen?

Weil sie selten eindeutig sind. Der Körper meldet Ungleichgewichte zunächst leise. Viele Menschen sind belastbar und kompensieren viel. Diese Anpassung wird mit Stabilität verwechselt. Tatsächlich handelt es sich oft um einen schleichenden Prozess, der lange unbemerkt bleibt.

Symptome stehen häufig im Mittelpunkt, wenn Menschen über Gesundheit sprechen. Wie ordnen Sie das ein?

Symptome sind wichtig, weil sie Hinweise liefern. Problematisch wird es, wenn sie isoliert betrachtet werden. Symptome zeigen, dass etwas aus dem Gleichgewicht geraten ist, sagen aber zunächst wenig darüber aus, warum das so ist. Wer nur das Symptom betrachtet, übersieht häufig die zugrunde liegenden Zusammenhänge.

Was fehlt vielen Menschen, um solche Zusammenhänge besser zu verstehen?

Es fehlt oft ein grundlegendes Verständnis dafür, wie stark Alltag, Belastung, Schlaf und Regeneration miteinander verbunden sind. Viele betrachten diese Bereiche getrennt. Gesundheit entsteht jedoch aus ihrem Zusammenspiel. Ohne diese Einordnung bleibt vieles fragmentiert.

Welche Rolle spielt der Alltag bei der Entstehung von Beschwerden?

Eine zentrale. Gesundheit wird nicht im Ausnahmezustand entschieden, sondern im täglichen Leben. Wie Menschen schlafen, wie sie mit Stress umgehen und ob Erholung stattfindet, wirkt langfristig. Wenn dieses Gleichgewicht dauerhaft gestört ist, zeigen sich früher oder später körperliche oder mentale Beschwerden.

Wie begleiten Sie Menschen, die merken, dass sie diese Signale lange übergangen haben?

Zunächst geht es um Orientierung. Viele sind verunsichert, weil sie nicht verstehen, warum sie sich erschöpft oder unausgeglichen fühlen. In Gesprächen wird sichtbar gemacht, wie ihr Alltag aufgebaut ist und wo Belastung und Regeneration aus dem Gleichgewicht geraten sind. Es geht nicht darum, sofort etwas zu verändern, sondern zunächst Klarheit zu schaffen.

Welche Bedeutung hat Prävention in diesem Zusammenhang?

Prävention bedeutet, früher hinzuschauen. Nicht aus Angst vor Krankheit, sondern aus Aufmerksamkeit für den eigenen Zustand. Wer Veränderungen rechtzeitig wahrnimmt, hat mehr Handlungsspielraum. Prävention ist weniger eine konkrete Maßnahme als eine Haltung.

Viele Menschen wünschen sich klare Regeln für Gesundheit. Gibt es diese aus Ihrer Sicht?

Nein. Gesundheit lässt sich nicht standardisieren. Jeder Körper reagiert unterschiedlich auf Belastung, Stress und Erholung. Allgemeine Empfehlungen können Orientierung geben, ersetzen aber nicht die eigene Wahrnehmung. Entscheidend ist, den eigenen Zustand ernst zu nehmen.

Regeneration wird häufig unterschätzt. Warum ist sie so wichtig?

Weil sie die Voraussetzung dafür ist, dass der Körper Belastung verarbeiten kann. Belastung allein führt nicht zu Stabilität. Ohne ausreichende Erholung bleibt der Körper in einem dauerhaften Spannungszustand. Das wirkt sich langfristig auf Schlaf, Immunsystem und Belastbarkeit aus.

Welche Rolle spielt Eigenverantwortung im Umgang mit Gesundheit?

Eigenverantwortung bedeutet, aufmerksam zu bleiben. Nicht alles kontrollieren zu wollen, aber den eigenen Zustand nicht dauerhaft zu übergehen. Gesundheit entsteht im Zusammenspiel von äußeren Anforderungen und innerem Umgang.

Abschließend gefragt: Was wünschen Sie sich im gesellschaftlichen Umgang mit Gesundheit?

Dass Gesundheit früher thematisiert wird. Nicht erst dann, wenn Beschwerden dominieren. Wer lernt, Signale ernst zu nehmen, bevor sie laut werden, schafft die Grundlage für Stabilität und Lebensqualität.

Gesundheit als Prozess, nicht als Moment

Das Gespräch mit Cornelius Schelling zeigt, dass Gesundheit nicht erst dann beginnt, wenn Beschwerden auftreten. Sie entwickelt sich im Alltag, oft lange bevor Hilfe gesucht wird.

Wer lernt, frühe Signale ernst zu nehmen, kann Gesundheit stabilisieren, bevor sie zur Baustelle wird.

Sie möchten Ihren Gesundheitszustand besser verstehen und frühzeitig auf Signale Ihres Körpers reagieren?

Wenn Sie Gesundheit als fortlaufenden Prozess begreifen und bewusster mit Belastung und Regeneration umgehen möchten, begleitet Cornelius Schelling Menschen dabei, Orientierung und Klarheit im Alltag zu gewinnen.

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