Gesund auf langen Reisen: Was dem Körper bei stundenlangem Sitzen guttut

Gesund auf langen Reisen: Was dem Körper bei stundenlangem Sitzen guttut

Die Vorfreude auf den Urlaub ist groß, doch vorher stehen vielleicht acht Stunden im Flugzeug, eine lange Zugfahrt oder mehrere hundert Kilometer auf der Autobahn an. Für den Körper bedeutet das häufig vor allem eines: sehr viel Sitzen und erstaunlich wenig Bewegung. Das macht sich nicht nur durch einen steifen Rücken oder schwere Beine bemerkbar. Längere Phasen mit wenig Bewegung können auch die Blutzirkulation in den Beinen beeinträchtigen. Ein paar einfache Gewohnheiten machen lange Reisen deshalb angenehmer und helfen dabei, Bewegung nicht erst wieder am Urlaubsort auf die Tagesordnung zu setzen.

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Warum langes Sitzen den Körper belastet

Im Alltag wechseln wir normalerweise regelmäßig unsere Position. Wir stehen auf, gehen ein paar Schritte, nehmen eine Treppe oder bewegen zumindest zwischendurch die Beine. Auf längeren Reisen fallen viele dieser kleinen Aktivitäten weg.

Besonders deutlich wird das im Flugzeug oder Reisebus. Der Platz ist begrenzt und manchmal bleibt man mehrere Stunden nahezu unverändert sitzen. Im Auto besteht zwar theoretisch mehr Freiheit für Pausen, in der Praxis soll das Ziel aber häufig möglichst schnell erreicht werden.

Wer lange sitzt, kennt die unmittelbaren Folgen: Die Beine können sich schwer anfühlen, die Füße anschwellen und Rücken oder Nacken beginnen zu ziehen. Bewegung zwischendurch ist deshalb nicht nur eine willkommene Abwechslung, sondern unterstützt auch die normale Blutzirkulation.

Das bedeutet nicht, dass jede längere Reise automatisch gesundheitlich problematisch wäre. Trotzdem lohnt es sich, längere Phasen völliger Bewegungslosigkeit möglichst zu vermeiden.

Bewegung beginnt schon auf dem Sitzplatz

Nicht immer ist es möglich, einfach aufzustehen. Während eines Fluges kann beispielsweise die Anschnallanzeige leuchten, im Bus ist das Herumlaufen ebenfalls nicht jederzeit sinnvoll und im Auto sollte sich der Fahrer selbstverständlich auf die Straße konzentrieren.

Trotzdem lassen sich zumindest als Mitfahrer oder Passagier kleine Bewegungen in den Reisealltag integrieren. Füße können bewegt, die Zehen angezogen und wieder gelockert oder die Beine zwischendurch anders positioniert werden. Entscheidend ist weniger eine komplizierte Übungsfolge als der regelmäßige Wechsel aus der vollkommen unbeweglichen Sitzposition.

Auch die Sitzhaltung darf sich verändern. Mehrere Stunden nahezu regungslos in derselben Position zu verbringen, ist für den Körper unangenehmer als gelegentliche kleine Bewegungen.

Eine Erinnerung auf dem Smartphone kann dabei sogar hilfreich sein. Schließlich vergeht eine Stunde mit Film, Podcast oder Buch erstaunlich schnell, während die Beine vom Unterhaltungsprogramm eher wenig profitieren.

Bei Pausen ruhig ein paar Schritte mehr machen

Auf längeren Autofahrten bieten Pausen die beste Gelegenheit, Bewegung nachzuholen. Statt lediglich zu tanken und direkt weiterzufahren, können ein paar zusätzliche Minuten außerhalb des Autos sinnvoll sein.

Dabei muss niemand auf dem Rastplatz ein komplettes Trainingsprogramm absolvieren. Einige Schritte, etwas Bewegung für Beine und Rücken und ein kurzer Positionswechsel reichen bereits, um die lange Sitzphase zu unterbrechen.

Ähnliches gilt für Bahnreisen. Wenn es die Situation erlaubt, kann gelegentliches Aufstehen angenehmer sein, als die gesamte Fahrt auf dem Sitz zu verbringen. Schon der Weg zur Toilette oder ein kurzer Gang durch den Wagen sorgt für Abwechslung.

Bei Flugreisen hängt die Bewegungsmöglichkeit stärker von der jeweiligen Situation ab. Wenn das Aufstehen erlaubt und sicher möglich ist, kann auch dort gelegentliche Bewegung sinnvoll sein. Sicherheitsanweisungen der Crew haben selbstverständlich immer Vorrang.

Trinken auf langen Reisen nicht vergessen

Auf Reisen verändert sich häufig auch das normale Trinkverhalten. Niemand möchte im Stau dringend eine Toilette suchen oder im Flugzeug ständig über den Sitznachbarn klettern. Deshalb wird mitunter bewusst weniger getrunken.

Eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr gehört dennoch zu einer vernünftigen Reisevorbereitung. Wasser ist dabei eine unkomplizierte Wahl und lässt sich auf Auto- und Bahnreisen problemlos mitnehmen.

Wie viel jemand benötigt, hängt unter anderem von individuellen Faktoren und den äußeren Bedingungen ab. An einem heißen Reisetag kann der Bedarf anders aussehen als bei einer kurzen Fahrt in klimatisierter Umgebung.

Auch Alkohol sollte nicht als Ersatz für Wasser betrachtet werden. Das Urlaubsgefühl darf selbstverständlich schon auf der Reise beginnen, doch die Flüssigkeitsversorgung des Körpers erledigt ein Glas Wasser zuverlässiger als der erste Feriencocktail über den Wolken.

Bequeme Kleidung macht die Reise angenehmer

Für eine mehrstündige Reise darf Kleidung vor allem bequem sein. Sehr enge Kleidungsstücke können bereits nach kurzer Zeit unangenehm werden, wenn man über Stunden in derselben Position sitzt.

Auch bei Schuhen lohnt sich Komfort. Füße können während langer Reisen etwas anschwellen, weshalb Schuhe mit ausreichend Platz angenehmer sein können als besonders eng sitzende Modelle.

Das bedeutet nicht, dass jeder Fluggast in Jogginghose erscheinen muss. Entscheidend ist vielmehr, dass Kleidung Bewegungsfreiheit ermöglicht und auch nach mehreren Stunden noch angenehm sitzt.

Praktisch sind außerdem mehrere leichte Schichten. Temperaturen können zwischen Bahnhof, Flugzeug, Auto und Reiseziel erheblich schwanken. Wer Kleidung flexibel anpassen kann, muss weder frieren noch die halbe Reise über eine zu warme Jacke diskutieren.

Warum Flugreisen besondere Aufmerksamkeit verdienen

Langes Sitzen ist nicht ausschließlich ein Thema im Flugzeug. Dennoch werden längere Flugreisen häufig im Zusammenhang mit Venenthrombosen betrachtet, weil Passagiere über mehrere Stunden nur eingeschränkte Bewegungsmöglichkeiten haben können.

Bei einer tiefen Venenthrombose bildet sich ein Blutgerinnsel in einer tief liegenden Vene, häufig im Bein. Immobilität gehört zu den Faktoren, die das Risiko dafür erhöhen können. Wie hoch das persönliche Risiko ist, unterscheidet sich jedoch erheblich.

Wer eine längere Flugreise plant, sollte sich deshalb damit beschäftigen, wie sich Risiken durch langes Sitzen reduzieren lassen und wie Reisende einer Thrombose beim Fliegen vorbeugen können. Allgemeine Bewegungsempfehlungen ersetzen dabei keine individuelle medizinische Einschätzung, wenn bereits besondere Risikofaktoren bestehen.

Für die meisten Reisenden bedeutet das zunächst, unnötig lange Bewegungslosigkeit zu vermeiden. Wer dagegen ein erhöhtes persönliches Risiko vermutet oder bereits entsprechende Erkrankungen hatte, sollte die Reisevorbereitung mit ärztlichem Fachpersonal besprechen.

Wer sein persönliches Risiko kennen sollte

Nicht jeder Mensch hat dasselbe Thromboserisiko. Bestimmte Vorerkrankungen und Lebensumstände können die Wahrscheinlichkeit erhöhen, weshalb pauschale Empfehlungen nur begrenzt sinnvoll sind.

Eine bereits durchgemachte Thrombose, bestimmte Störungen der Blutgerinnung oder größere Operationen können beispielsweise relevant sein. Auch weitere individuelle Faktoren können bei der Einschätzung eine Rolle spielen.

Wer zu einer Risikogruppe gehört oder unsicher ist, sollte deshalb vor einer längeren Reise medizinischen Rat einholen. Das gilt insbesondere, wenn die Frage im Raum steht, ob über allgemeine Bewegung hinaus weitere vorbeugende Maßnahmen notwendig sind.

Kompressionsstrümpfe oder gerinnungshemmende Medikamente sind deshalb keine pauschale Reiseausrüstung für jedermann. Ob solche Maßnahmen sinnvoll oder erforderlich sind, sollte anhand des individuellen Risikos fachlich beurteilt werden.

Warnzeichen nach einer Reise ernst nehmen

Auch nach der Ankunft lohnt es sich, ungewöhnliche Beschwerden nicht einfach als normale Folge einer langen Reise abzutun. Schmerzen oder eine auffällige Schwellung eines Beins können verschiedene Ursachen haben und sollten bei entsprechendem Verdacht medizinisch abgeklärt werden.

Besonders ernst zu nehmen sind plötzlich auftretende Atemnot oder Schmerzen im Brustkorb. Solche Beschwerden können auf einen medizinischen Notfall hinweisen und erfordern schnelle medizinische Hilfe.

Das soll lange Reisen keineswegs beängstigender erscheinen lassen, als sie sind. Wichtig ist lediglich, mögliche Warnzeichen zu kennen und bei auffälligen Beschwerden nicht darauf zu vertrauen, dass sie von allein verschwinden.

Gerade Menschen mit bekannten Risikofaktoren können vor Reisebeginn mit ärztlichem Fachpersonal besprechen, worauf sie unterwegs und nach der Ankunft besonders achten sollten. So lässt sich die Reise wesentlich entspannter antreten.

Gesundheit gehört zur Reisevorbereitung

Koffer packen, Tickets kontrollieren, Ausweise bereitlegen und noch schnell prüfen, ob wirklich alle Ladegeräte dabei sind: Vor einer längeren Reise gibt es genügend Dinge zu erledigen. Ein wenig Vorbereitung für das eigene Wohlbefinden lässt sich trotzdem unkompliziert integrieren.

Ausreichend Wasser für die Fahrt, bequeme Kleidung und bewusst eingeplante Bewegungspausen benötigen kaum zusätzlichen Aufwand. Im Flugzeug oder Zug kann außerdem schon die Entscheidung helfen, nicht sämtliche Stunden vollkommen unbewegt auf dem Sitz zu verbringen.

Bei bekannten gesundheitlichen Risiken sollte die Vorbereitung entsprechend früher beginnen. Dann bleibt genügend Zeit, offene Fragen medizinisch abzuklären, statt erst am Abflugtag nach einer schnellen Lösung zu suchen.

Damit wird aus Reisegesundheit kein kompliziertes Zusatzprojekt. Häufig geht es vor allem darum, dem Körper auch unterwegs etwas von dem zu geben, was im normalen Alltag selbstverständlich ist: Bewegung, Flüssigkeit und gelegentlich die Möglichkeit, einfach einmal aufzustehen.

Möglichst entspannt und bewegt ans Ziel

Eine lange Reise lässt sich nicht immer verkürzen. Wer mehrere tausend Kilometer zurücklegen möchte, wird einige Stunden im Flugzeug, Zug oder Auto verbringen müssen. Die lange Sitzzeit muss deshalb aber nicht vollkommen bewegungslos verlaufen.

Kleine Bewegungen am Sitzplatz, regelmäßiges Aufstehen, sinnvolle Pausen und ausreichendes Trinken lassen sich bei vielen Reisen unkompliziert umsetzen. Sie machen die Fahrt oder den Flug häufig schon angenehmer und helfen dabei, stundenlange starre Sitzphasen zu unterbrechen.

Bei erhöhtem Thromboserisiko reichen allgemeine Reisetipps dagegen nicht zwangsläufig aus. Dann ist eine individuelle medizinische Beratung der richtige Weg, um mögliche zusätzliche Maßnahmen zu besprechen.

So beginnt eine gute Reisevorbereitung nicht erst beim Koffer. Wer neben Tickets, Kleidung und Reisepass auch ein wenig Bewegung einplant, tut zumindest etwas dafür, dass am Ziel nicht nur das Gepäck, sondern auch der eigene Körper möglichst entspannt ankommt.